Stadtentwicklung im Dialog: Zwischennutzung von Immobilien - ein Beitrag zur Revitalisierung der Zentren?
Am Dienstag, 23.02.2010, befasste sich das Diskussionsforum Stadtentwicklung im Dialog im Konferenzzentrum "Der Kleine Prinz" mit Nutzungsmöglichkeiten für leerstehende Ladenlokale. Das zahlreich erschienene, interessierte Publikum belegte, dass hier ein Thema zur Diskussion stand, das viele Gemüter bewegt.
Im einführenden Vortrag veranschaulichte Gaby Schulten, die im Auftrag der Stadt Wuppertal eine Zwischennutzungsagentur leitet, das Problem: Die Agentur beschränkt sich auf 5 Stadteile mit über dreihundert erfassten Leerständen. Die Imageverbesserung der Quartiere durch Aufwertung des Erscheinungsbildes ist das vorrangige Ziel der Agentur. Die strategisch angelegte Arbeitsweise der Agentur in Wuppertal macht sie so erfolgreich: Sie bündelt Kräfte, bildet Netzwerke und aktiviert die Beteiligten. Die systematische Vorgehensweise über eine Erfassung der Leerstände in einer Datenbank und intensive Beratung der Anbieter und Nutzer ermöglicht eine passgenaue Vermittlung. Diese sind vornehmlich Künstler, Kulturschaffende, soziale Einrichtungen, Vereine, Existenzgründer sowie gewerbliche Dienstleister. Bei den Immobilieneigentümern bestehen aber doch einige Vorbehalte gegen Zwischennutzungen: Die für Ladenlokale übliche Rendite ist hier nicht zu erwarten, häufig geht es nur um die Finanzierung der Betriebskosten durch die Nutzer. Das spiegelte sich auch in den Beratungsfällen der Agentur wider. Die Nachfragerseite hat deutlich mehr Interesse als die Immobilienanbieter. Zu geringe Rendite, bauordnungsrechtliche Hindernisse oder mangelnde räumliche Voraussetzungen verhindern oft eine Zwischennutzung.

Boris Roskothen, Vorsitzender des Handelsausschusses der IHK, wies auf einen anderen wichtigen Aspekt einer temporären Nutzung hin: "Zwischennutzung kann auch Marketing für eine Immobilie sein. Aufmerksamkeit zu erzeugen und ein Ladenlokal wieder zu präsentieren ist schon ein wichtiges Ziel." Jürgen Dressler, Stadtbaurat, stellte die Diskussion in einen größeren Zusammenhang: "Die Schrumpfung der Stadt, der Rückgang der Bevölkerungszahlen von mehr als 600.000 in den siebziger Jahren auf prognostizierte 460.000 bis 2020, erfordert deutliche Veränderungszwänge in der Stadt. Es sind nicht alle Quartiere revitalisierbar, die Planung muss sich mit einer Neuordnung, die die demografische Entwicklung berücksichtigt, befassen." Frank Jebavy, Leiter des Festivalbüros der DMG, sah in der Idee von Zwischennutzung aber auch Chancen für einzelne Quartiere: "Ruhrort ist ein Beispiel dafür: Eine Theaterinitiative bespielt seit zwei Jahren äußerst erfolgreich ein Ladenlokal, im Umfeld siedeln sich Künstler an, Cafes entstehen und somit bilden sich neue Perspektiven für den Stadtteil." Solche Prozesse sind bekannt aus Quartieren in Berlin wie z. B. Prenzlauer Berg oder auch Kreuzberg. Frank Jebavy sieht aber auch, dass nicht jedes Quartier oder jeder Leerstand so zu füllen ist, "so viele Kulturschaffende gibt es in Duisburg nicht." Vielfaches Hindernis sieht Axel Quester, Immobilienmakler, in den zu geringen Erlösen, die ein Immobilieneigentümer aus einer solchen Vermietung ziehen kann. Für die vielen Ladenlokale in alten Wohn- und Geschäftshäusern lassen sich dauerhaft nicht die erwarteten Renditen erzielen, neue Nutzungen für Büros oder gar barrierefreie Wohnungen, die allerdings Investitionen erfordern, können hier Leerstandsproblematiken lösen.
Ungelöst blieb am Ende der Veranstaltung die Frage einer Dame aus dem Publikum: Sie sucht ein Ladenlokal für ihre seit Jahren betriebene Schülergalerie der SchulKulturKontaktStelle, die ein zwischengenutztes Ladenlokal im Averdunkzentrum räumen muss und jetzt wieder eine neue Bleibe in der Stadt sucht.

