20 Jahre GFW Duisburg

Der Pionier von damals ist Modell geworden: Ein Drittel aller kommunalen Wirtschaftsförderungen sind heute als GmbH organisiert.
Perspektivenwechsel der Wirtschaftsförderung
Für Ralf Meurer, seit 1997 Geschäftsführer der GFW Duisburg, und sein Team ist das 20-jährige Bestehen der richtige Anlass, Gründer, Gesellschafter, Kunden sowie Repräsentanten aus Politik und Verwaltung für die Unterstützung und Kooperation zu danken. "Die Arbeit der GFW Duisburg steht und fällt mit ihren Gesellschaftern. Für die breite Unterstützung aus Stadt und Wirtschaft möchten wir heute mit dieser Jubiläumsveranstaltung Danke sagen", betonte Ralf Meurer während seiner Begrüßungsrede am 3. September 2008 im Theater Duisburg vor rund 120 geladenen Gästen. Der Perspektivenwechsel im Rahmen der Veranstaltung - die Gäste saßen auf der Bühne, die Künstler der Deutschen Oper am Rhein und der Duisburger Philharmoniker traten im Zuschauerraum auf -sei auch auf die Aufgaben der kommunalen Wirtschaftsförderung zu übertragen. Im Laufe der Jahre haben sich laut Meurer die Schwerpunkte in der täglichen Arbeit verschoben. "Während 1988 noch der Verkauf städtischer Grundstücksflächen im Mittelpunkt stand, geht es 2008 um die gezielte Förderung der sechs Duisburger Kompetenzfelder und die wirtschaftliche Gestaltung des Standortes im Sinne der Unternehmen", betonte der Gastgeber.
Die Historie: das PPP-Modell
Einen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Gesellschaft gab Dr. Richard Klein, ehemalige Oberstadtdirektor und Gründungsvater der GFW Duisburg. Hintergrund der Gründung war die monostrukturelle Ausrichtung der Stadt auf die Montanwirtschaft, die dem Wirtschaftsstandort nach Kohle- und Stahlkrisen mit dem Wegbruch mehrerer tausend Arbeitsplätze zu schaffen machte. Die beabsichtigte Stilllegung des Hüttenwerkes von Krupp in Rheinhausen war im Gefolge der Ruhrgebietskonferenz Auslöser der Duisburg-Runde. Ortsansässige Unternehmen wurden in die Pflicht genommen und in die Wirtschaftsförderung einbezogen. Über die Motivationsgründe der Wirtschaft, sich an der Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft zu beteiligen, darüber berichtete Dr. Theodor Pieper, IHK -Hauptgeschäftsführer zur Gründungszeit und erster stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der GFW.
Impulsrede von ThyssenKrupp Steel
Welche Rolle bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen die ortsansässige Wirtschaft spielt, erläuterte in seiner Impulsrede ThyssenKrupp Steel-Vorstandsmitglied Dieter Kroll. Thyssen und Krupp waren GFW - Gesellschafter der ersten Stunde. Heute sind "neben ThyssenKrupp Steel, Haniel, Ruhrkohle AG auch viele kleine und mittelständische Unternehmen dabei. Sie alle haben verstanden, dass ein gutes Wirtschaftsklima nur gemeinsam erzeugt werden kann." Kroll verwies in seiner Rede auf die zunehmenden Probleme bei der Suche nach qualifiziertem Personal. Hier ergibt sich auch eine Herausforderung für die Wirtschaftsförderung.
Die GFW in der Rolle des Netzwerkers
Die wachsende Bedeutung von Netzwerken in der Arbeit der GFW Duisburg war auch ein Thema der folgenden Talkrunde - moderiert von der Journalistin Miriam Beul, die auch durch den Abend führte. "Die persönliche Ansprache in entspannter Atmosphäre ist eine ganz andere Basis für Business", betonte Adolf Sauerland, Oberbürgermeister der Stadt Duisburg und GFW - Aufsichtsratsvorsitzender, und befürwortete damit Netzwerk-Veranstaltungen wie die Branchen-Stammtische oder das zweimal im Jahr stattfindende Mittelstands-Forum. IHK-Hauptgeschäftsführer, zugleich stellvertretender GFW - Aufsichtsratsvorsitzender, ergänzte: "Die große Teilnehmer-Resonanz beim GFW -Mittelstands-Forum zeigt, dass der Duisburger Mittelstand auch von persönlichen Kontakten profitiert."
Die GFW in der Rolle des Vermittlers
Eine der jüngeren Gesellschafterzugänge, Silvia Rybka, Inhaberin der Cubus Unternehmensberatung, betonte die heutige Mittlerrolle der Wirtschaftsförderung: "Speziell die Duisburger Wirtschaftsförderung ist der gute Mittler bzw. Moderator, wenn es darum geht, die unterschiedlichen Interessen und Belange zu koordinieren." In diesem Zusammenhang kamen die Talkgäste auf die Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes für die Stadt Duisburg zu sprechen, für den die GFW den Fachplan Wirtschaftsförderung erarbeitet hat und hierbei auch den Bedarf an der Neuausweisung von Gewerbeflächen anmeldet und die Vergabe mit konkreten Grundsätzen belegt. "Nicht immer ist die Arbeit der GFW Duisburg frei von Konflikten", erklärte Moderatorin Miriam Beul. Wie die Wirtschaftsförderung sich in solchen Fällen positioniert, brachte Geschäftsführer Ralf Meurer so auf den Punkt. "Die GFW versteht sich als Unterstützer der Unternehmen aller Branchen und als Mitgestalter am Standort." Gerade die Unabhängigkeit spiele beim Interessenausgleich zwischen öffentlicher Hand und Wirtschaft eine bedeutende Rolle.
